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Salbei

Heilpflanze des Jahres
Die Brennnessel Urticaria doica

Geschichte/Mythologie: Für unsere Vorfahren, die Kelten und Germanen, war die Brennnessel von großer Bedeutung. Überall wo sich Menschen niederließen wuchs sie. Wenn Siedlungen verlassen wurden blieb die Brennnessel.Vor allem an solchen Plätzen, wo Ausscheidungen und Abfälle hinterlassen wurden, als wenn sie dafür sorgen soll, denn Boden wieder zu regenerieren. Dies ist natürlich auch heute noch so. Da sie auch sehr reich an Mineralien und Vitaminen ist, war sie ein wichtiger Bestandteil der Nahrung. Dies können wir noch an dem Brauch der „Neunkräutersuppe“ nachvollziehen. Sie wurde aus Brennnesseln und den ersten Frühlingskräutern hergestellt. Nach der Christianisierung wurde aus ihr die „Gründonnerstagssuppe“. Im Altertum wurde sie besungen, Gedichte wurden ihr zu Ehren verfasst. Hieronymus Bock setzte sie an den Anfang seines Kräuterbuches.

Im Mittelalter diente die Nessel in Krankheitsfällen zur Probe, wie es um den Kranken bestellt war. Man legte die Pflanze in den Harn. Blieb sie Tag und Nacht grün,war dies ein Zeichen baldiger Genesung, schrumpfte sie aber, war alle Hoffnung verloren.
Paracelsus erprobte die Wirkung der Nessel bei Gelbsucht und empfahl einen Trank aus Brennnesselsaft und Ziegenmolke zur Heilung.
Der große Gelehrte Fuchs empfahl: „Die Nessel in die Laug gelegt, vertreibt das harausfallen“ und verabreichte eine Salbe aus Bärenschmalz und zerstoßenen Blättern der Nessel gegen Gicht und Gliederschmerz.
Selbst die Heilige Hildegard von Bingen rühmte die Pflanze u.a. mit folgenden Worten: Die Brennnessel ist in ihrer Art sehr warm. In keiner Weise nützt es, dass sie roh gegessen wird, wegen ihrer Rauheit. Aber wenn sie frisch aus der Erde sprießt, ist sie gekocht nützlich für die Speisen der Menschen, weil sie den Magen reinigt und den Schleim aus ihm wegnimmt.”

Volksnamen: Saunessel, Nettel, Neddel, Donnernessel, Große Nessel, Dudelkolbe, Gichtrute, Feuerkraut, Tissel, Zingel, Tittenkölbl, Eselskraut, Scharfnessel

Familie: Urticaceae (Brennnesselgewächse)

Herkunft: Weltweite Verbreitung. Lediglich in Permafrostgebieten sind sie nicht anzutreffen. Einzelne Arten finden sich nicht überall, die Große Brennnessel zum Beispiel fehlt in den Tropen, in Südafrika, auf den Balearen und auf Kreta.

Botanik: Brennnesseln sind krautige Pflanzen Sie erreichen, je nach Art, Standort und Nährstoffsituation, Wuchshöhen von 10 bis 150 Zentimetern. Ihre Stängel sind zumeist unverzweigt und mit Brenn- sowie Borstenhaaren besetzt Die auf der Oberseite ebenfalls behaarten, länglichen Laubblätter sind von tief grüner Farbe, nach vorne zugespitzt, am Ansatz herzförmig und am Rande meist grob gezähnt und kreuzständig. Die länglichen, rispigen Blütenstände sind winzig und unauffällig. Die Blüten sind vorwiegend eingeschlechtig, enthalten also entweder die männlichen Staubbeutel oder einen weiblichen Fruchtknoten. Männliche und weibliche Blüten können je nach Art auf der Kleinen Brennnessel (einhäusig) oder der Große Brennnessel (zweihäusig,) anzutreffen sein. Die Vermehrung erfolgt vorwiegend über Rhizome, ansonsten sind sie windbestäubt. Wenn sich die männlichen Hüllblätter öffnen, schnellen ihre Staubblätter hervor; dabei wird explosionsartig eine Wolke von Pollen in die Luft geschleudert. Der Wind überträgt anschließend den Pollen auf die weiblichen Blüten. Die Brennnessel blüht von Juni bis Oktober. Die oval elliptischen Früchte werden als Nüsschen bezeichnet.
Die Brennnessel ist für Raupen von rund 50 Schmetterlingsarten eine wichtigen Futterpflanze. Admiral, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, um nur die bekanntesten zu nennen sind dafür sogar auf die Brennnessel angewiesen. Trotzdem scheinen sich diese Schmetterlingsarten kaum gegenseitig Konkurrenz zu machen, denn sie bevorzugen jeweils andere Wuchssorten der Brennnessel oder sind relativ selten.

Gartenbau: Die Brennnesseln finden insbesondere im biologischen Gartenbau vielfältige Verwendung. Eine Brennnesseljauche als Pflanzenstärkungsmittel festigt durch die enthaltene Kieselsäure die Zellwände der damit gegossenen Pflanzen und stärkt sie so gegen den Befall beißender wie saugender Insekten. Eine Jauche löst zusätzlich den Stickstoff der Brennnessel sowie Spurenelemente heraus und hat dadurch auch Düngewirkung. Die anfallenden Reste können im Kompost verwertet werden.

Brennnesseljauche: Geben Sie die Brennnesseln in ein Gefäß, füllen es mit Regenwasser auf und rühren Sie alles mit einem Stock mehrmals um. Die Gärung setzt schnell ein, wenn die Brühe einige Tage offen in der Sonne stehen bleibt. Danach legen Sie besser einen Deckel auf das Gefäß wegen des Geruchs. Nach etwa 2 Wochen ist die Pflanzenmasse vergoren.Von nun an können sie die Jauche in einer Verdünnung von 1:10 für alle Kulturen benutzen. Für Kräuter die ein wenig Zusatznahrung brauchen höchstens zweimal im Frühling und Frühsommer gießen, die meisten Kräuter kommen ohne Düngung aus.

Ernte: Die Ernte ist schwierig wegen der Brennhaare, die die Pflanze als Schutzmechanismus am Stängel entwickelt. Es sind lange Röhren, deren Wände im oberen Teil durch eingelagerte Kieselsäure hart und spröde wie Glas sind. Brennnesseln lassen sich anfassen, indem man sie von unten nach oben überstreicht sagen die Einen, du mußt die Luft beim Pflücken anhalten, sagen die Anderen. Jedenfalls kann das Köpfchen der Brennhaare schon bei einer leichten Berührung abbrechen und hinterlässt eine schräge, scharfe Bruchstelle, welche die Haut verletzt. Ist die Pflanze getrocknet, verliert sie ihre reizende Wirkung. Geerntet wird sie das ganze Jahr über. Am Besten das obere Drittel der blühenden oder nicht blühenden Pflanze. Die Wurzeln im Herbst.

Inhaltsstoffe: Blätter/Kraut: Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, viel Vitamin C und A, Chlorophylle, Carotionide, viele Mineralien: Kieselsäure, viel Eisen, Kaliumsalze, Magnesium, Mangan, Serotonin, Histamin, Sekretin

Wurzel: Sterole, Sterylglykoside, Monoterpendiole, Polysaccharide, Lectin

Früchte: 30% fettem Öl, Polysaccharide, Vitamin A, C, E

Wirkung: Blätter/Kraut: Erhöhung der Harnmenge bei Beschwerden des Wasserlassens, entzündungshemmend, lokal betäubend, antirheumatisch, blutreinigend
Wurzel: wird eingesetzt bei Miktionsbeschwerden und bei gutartiger Prostatavergrößerung. Die Beschwerden werden verbessert, die Vergrößerung bleibt jedoch.
Früchte: Gelten als allgemein kräftigend bei Erschöpfungszuständen.

Anwendung: Blätter/Kraut: Äußere und innere Anwendung: zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden. Innere Anwendung: zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen ableitender Harnwege und zur Vorbeugung von Nierengrieß.

Als Tee oder Frischpflanzenpresssaft bei Frühjahrskuren zur Entgiftung und Entschlackung, gegen Ermüdungserscheinungen und Erschöpfungszuständen.

Brennnesselfrüchte: Als Tonikum bei Erschöpfungszuständen, Stress, Rekonvaleszenz

Dosierung und Zubereitung: 1-2 TL der getrockneten Blätter mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, abseihen. 2-3 Tassen pro Tag während 3 Wochen (kurmäßig) trinken.

Selbst hergestellter Frischsaft, mit 5-10facher Menge Wasser verdünnen. In der Apotheke oder im Reformhaus sind fertige Presssäfte erhältlich.

Gegenanzeigen: Nicht bei Ödemen auf Grund eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit, Histamin-Unverträglichkeit

Nebenwirkungen: bei Wurzelextrakten gelegentlich Magen-Darmbeschwerden

Anwendung bei Tieren: Noch heute gibt man Brennnesseltriebe oder gehackte Brennnesseln als Vitaminträger in das Futter von Küken, Ferkeln und Kälbern, damit sie schneller wachsen; auch als ganze Pflanzen gibt man sie Hausschweinen in der biologischen Landwirtschaft gern als Beifutter. Pferdehändler sollen früher ihren Pferden kurz vor dem Verkauf Brennnesselfrüchte gegeben haben. So waren sie voll Energie und hatten ein glänzendes Fell. Auch Hühner legen mehr Eier, wenn ihnen die Früchte unter das Futter gemischt wird.

Fasergewinnung, Färben: Stoffe aus Brennnessel gab es bereits vor Jahrtausenden. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts lebte das Interesse an der heimischen Faserpflanze aufgrund einer Baumwollknappheit wieder auf. Um 1900 galt Nessel als das „Leinen der armen Leute“. Zuletzt wurde sie im Zweiten Weltkrieg verstärkt in Deutschland für Armee-Bekleidung verwendet. Genauso lange gehört die Brennnessel zu den Färberpflanzen. Wolle wurde mit ihrer Wurzel, nach dem Vorbeizen mit Alaun, wachsgelb gefärbt. Die Blätter ergeben ungebeizt die Farbe graugrün, sie ist leider nicht lichtbeständig. Man benötigt etwa 600 Gramm Brennnessel pro 100 Gramm Wolle; besonders bei der Brennnessel kann der Farbton vom Zeitpunkt des Pflücken und Färben abhängen, deshalb ist die Technik bei Massenproduktion von Kollektionen in Vergessenheit geraten. Brennnesselpapier wird immer noch in speziellen Manufakturen hergestellt

Anwendung in der Küche: Junge Brennnesseltriebe werden wegen ihres Vitamingehaltes und ihres fein säuerlichen Geschmacks als Salat und Gemüse geschätzt. Besondere Verbreitung fanden Brennnesselgerichte in Notzeiten, in denen Blattgemüse wie Spinat oder Gartensalat zugunsten nahrhafterer Pflanzen kaum angebaut wurden. Die Brennnesseln aber auf Brachflächen und in lichten Wäldern reichlich gesammelt werden konnte. Den besten Geschmack haben die ersten, etwa 20 Zentimeter langen Pflanzen im Frühjahr oder bei größeren Pflanzen die Triebspitzen. Der unangenehmen Wirkung der Nesselhaare kann man entgegenwirken, indem man die Triebe in ein Tuch wickelt und stark wringt oder sie kurz blanchiert.

Früher wurden gelegentlich Butter, Fisch und Fleisch in Brennnesselblätter gewickelt, um sie länger frisch zu halten. Diese Praxis ist sogar gerichtsnotorisch: 1902 wurde eine Berliner Milchhändlerin auf Grund der Brennnesselblätter in ihrer Milch wegen Lebensmittelverfälschung angeklagt. Mit der Begründung, dass dies ein „allgemein geübtes Verfahren“ sei, wurde die Händlerin jedoch freigesprochen. Bekannt sind Brennnesseln auch als Zutat für Käse.

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