Die Brennnessel

Brennnessel im Wald
Urtica dioica

Brennessel, verkanntes Kräutlein, dich muß ich preisen.
dein herrlich Grün in bester Form baut Eisen,
Kalk, Kali, Phosphor, alle hohen Werte,
entsprießend aus dem Schoß der guten Mutter Erde.
Nach ihnen nur brauchst Du Dich hinzubücken,
die Sprossen für des Leibes Wohl zu pflücken,
als Saft, Gemüse oder Tee sie zu genießen,
das, was umsonst gedeiht in Wald, auf Pfad und Wiesen,
selbst in noch dürft`ger Großstadt nahe Dir am Wegesrande,
nimm's hin, was rein und unverfälscht die gütige Natur
dir heilsam liebend schenkt auf ihrer Segensspur!

Dr. Heinrich Hoffmann, den wir fast alle als Verfasser des "Struwelpeter" kennen, verfasste der Brennnessel zu Ehren diesen Vers

 

 

Geschichte/Mythologie: Für unsere Vorfahren, die Kelten und Germanen, war die Brennnessel von großer Bedeutung. Überall wo sich Menschen niederließen wuchs sie. Wenn Siedlungen verlassen wurden blieb die Brennnessel.Vor allem an solchen Plätzen, wo Ausscheidungen und Abfälle hinterlassen wurden, als wenn sie dafür sorgen soll, denn Boden wieder zu regenerieren. Dies ist natürlich auch heute noch so. Da sie auch sehr reich an Mineralien und Vitaminen ist, war sie ein wichtiger Bestandteil der Nahrung. Dies können wir noch an dem Brauch der „Neunkräutersuppe“ nachvollziehen. Sie wurde aus Brennnesseln und den ersten Frühlingskräutern hergestellt. Nach der Christianisierung wurde aus ihr die „Gründonnerstagssuppe“. Im Altertum wurde sie besungen, Gedichte wurden ihr zu Ehren verfasst. Hieronymus Bock setzte sie an den Anfang seines Kräuterbuches.

Im Mittelalter diente die Nessel in Krankheitsfällen zur Probe, wie es um den Kranken bestellt war. Man legte die Pflanze in den Harn. Blieb sie Tag und Nacht grün,war dies ein Zeichen baldiger Genesung, schrumpfte sie aber, war alle Hoffnung verloren.
Paracelsus erprobte die Wirkung der Nessel bei Gelbsucht und empfahl einen Trank aus Brennnesselsaft und Ziegenmolke zur Heilung.
Der große Gelehrte Fuchs empfahl: "Die Nessel in die Laug gelegt, vertreibt das harausfallen" und verabreichte eine Salbe aus Bärenschmalz und zerstoßenen Blättern der Nessel gegen Gicht und Gliederschmerz.
Selbst die Heilige Hildegard von Bingen rühmte die Pflanze u.a. mit folgenden Worten: "Die Brennnessel ist in ihrer Art sehr warm. In keiner Weise nützt es, dass sie roh gegessen wird, wegen ihrer Rauheit. Aber wenn sie frisch aus der Erde sprießt, ist sie gekocht nützlich für die Speisen der Menschen, weil sie den Magen reinigt und den Schleim aus ihm wegnimmt.”

 

Volksnamen: Saunessel, Nettel, Neddel, Donnernessel, Große Nessel, Dudelkolbe, Gichtrute, Feuerkraut, Tissel, Zingel, Tittenkölbl, Eselskraut, Scharfnessel

 

Familie: Urticaceae (Brennnesselgewächse), Urtica dioica


Herkunft: Weltweite Verbreitung. Lediglich in Permafrostgebieten sind sie nicht anzutreffen. Einzelne Arten finden sich nicht überall, die Große Brennnessel zum Beispiel fehlt in den Tropen, in Südafrika, auf den Balearen und auf Kreta.

Inhaltsstoffe: Blätter/Kraut: Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, viel Vitamin C und A, Chlorophylle, Carotionide, viele Mineralien: Kieselsäure, viel Eisen, Kaliumsalze, Magnesium, Mangan, Serotonin, Histamin, Sekretin
Wurzel: Sterole, Sterylglykoside, Monoterpendiole, Polysaccharide, Lectin
Früchte: 30% fettem Öl, Polysaccharide, Vitamin A, C, E


Wirkung: Blätter/Kraut: Erhöhung der Harnmenge bei Beschwerden des Wasserlassens, entzündungshemmend, lokal betäubend, antirheumatisch, blutreinigend
Wurzel: wird eingesetzt bei Miktionsbeschwerden und bei gutartiger Prostatavergrößerung. Die Beschwerden werden verbessert, die Vergrößerung bleibt jedoch.
Früchte: Gelten als allgemein kräftigend bei Erschöpfungszuständen.


Anwendung: Blätter/Kraut: Äußere und innere Anwendung: zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden. Innere Anwendung: zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen ableitender Harnwege und zur Vorbeugung von Nierengrieß.

Als Tee oder Frischpflanzenpresssaft bei Frühjahrskuren zur Entgiftung und Entschlackung, gegen Ermüdungserscheinungen und Erschöpfungszuständen.

Brennnesselfrüchte: Als Tonikum bei Erschöpfungszuständen, Stress, Rekonvaleszenz

 

Brennnessel – Frischsaft – Kur
Die Kur beginnt mit einer Tagesgabe von 1 EL frischem Brennnesselsaft. Jeden Tag wird die Dosis um 1 EL bis zum 7. Tag gesteigert. Danach absteigend 1 EL weniger bis zum 14. Tag.
Am besten wirkt der frische Saft, er darf nicht lange stehen bleiben, sonst zersetzt er sich leicht. Zu jeder Gabe 1 Glas Wasser trinken.
Nicht überdosieren, sonst kann es zu Durchfall und Erbrechen führen.
Alle Frühjahrskuren haben bei abnehmenden Mond eine noch stärkere ausleitende Wirkung. Während jeder Kur 2 L Wasser am Tag trinken!

Brennnesseltee
2 TL frische Brennnesselblätter mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen. 5 Min. abgedeckt ziehen lassen, abseihen. 3 Tassen am Tag während 3 Wochen als Kur trinken.

 

Anwendung in der Küche: Junge Brennnesseltriebe werden wegen ihres Vitamingehaltes und ihres fein säuerlichen Geschmacks als Salat und Gemüse geschätzt. Besondere Verbreitung fanden Brennnesselgerichte in Notzeiten, in denen Blattgemüse wie Spinat oder Gartensalat zugunsten nahrhafterer Pflanzen kaum angebaut wurden. Die Brennnesseln aber auf Brachflächen und in lichten Wäldern reichlich gesammelt werden konnte. Den besten Geschmack haben die ersten, etwa 20 Zentimeter langen Pflanzen im Frühjahr oder bei größeren Pflanzen die Triebspitzen. Der unangenehmen Wirkung der Nesselhaare kann man entgegenwirken, indem man die Triebe in ein Tuch wickelt und stark wringt oder sie kurz blanchiert.

Früher wurden gelegentlich Butter, Fisch und Fleisch in Brennnesselblätter gewickelt, um sie länger frisch zu halten. Diese Praxis ist sogar gerichtsnotorisch: 1902 wurde eine Berliner Milchhändlerin auf Grund der Brennnesselblätter in ihrer Milch wegen Lebensmittelverfälschung angeklagt. Mit der Begründung, dass dies ein „allgemein geübtes Verfahren“ sei, wurde die Händlerin jedoch freigesprochen. Bekannt sind Brennnesseln auch als Zutat für Käse.

Brennnessel-Quiche

Zutaten: Für den Teig: 250 g Mehl, 1 Ei, 150 g Magarine oder Butter, 1 TL Salz, 3 EL kaltes Wasser. Für den Belag: ungefähr 800 g Brennnessel, 2 Eier, 1 Becher Sahne, 1 Knoblauchzehe, 1 Prise Muskatnuß, geriebener Käse

Zubereitung: Zuerst werden die Zutaten für den Teig rasch zusammengeknetet, bis er glatt ist. Dann sollte er 1 Stunde im Kühlschrank ruhen.

Die Brennnesseln werden gewaschen und nach und nach in einen Topf mit Wasser gegeben, bis sie zusammenfallen. Die Brennnesseln abtropfen und abkühlen lassen, leicht ausdrücken und klein hacken. Eier, Sahne und Gewürze in eine Schüssel geben und durchrühren.

Den Teig ausrollen und auf ein Backblech geben, die Brennnesseln gleichmäßig darauf verteilen. Die Sahn-Ei-Mischung darüber geben und mit dem Käse bestreuen. Bei 200 °C etwa 30 Min. im vorgeheizten Ofen backen.


Brennnesselsuppe

Zutaten: 4 Hände voll Brennnesselblätter, 2 TL Mehl, 2 Tassen Gemüsebrühe, ½ Knoblauchzehe, Muskat, Salz, 1 EL Butter, 1 TL Zitronensaft, Sahne oder Créme fraiche

Zubereitung: Die Brennnesselblätter mit 1 EL Butter andünsten, mit Mehl bestäuben und mit der Gemüsebrühe ablöschen. Mit einem Pürierstab zu Brennnesselmus verarbeiten. Mit Gewürzen und Zitronensaft abschmecken. Zum Schluß Sahne oder Créme fraiche dazugeben.